Günter Brus – Hermann Nitsch

„Meister der Grafik“

08.12.2022 – 07.01.2023

Eröffnung: Donnerstag, 8. Dezember 2023, 15 Uhr

Das Grand Finale der diesjährigen Ausstellungstätigkeit der Galerie 422 Margund Lössl wird am Donnerstag, 8. Dezember 2022 mit einer graphischen Schau von Hermann Nitsch und Günter Brus eröffnet.

Die Ausstellung „Günter Brus – Hermann Nitsch. Meister der Grafik“ hat zum Ziel, die besonderen Leistungen der beiden Ausnahmekünstler anhand unterschiedlicher Werkserien in einer pointierten Gegenüberstellung herauszuarbeiten.

Als zwei große Meister der österreichischen Kunst nach 1945 haben sie maßgeblich mit ihrer unverwechselbaren und einzigartigen Bildsprache dazu beigetragen, das Medium der Grafik als eigenständiges, künstlerischen Ausdrucksmittel mit Unikatcharakter zu etablieren.

Hermann Nitsch`s Wunsch war es Zeit seines Lebens, dass der Werkblock in immerwährendem Zusammenhang mit dem „Ganzen“ – seinem Gesamtkunstwerk – steht. Ausgehend von seiner Idee des „orgien mysterien theater“, welches in den späten 1950er/frühen 1960ern entstand, fächern sich die einzelnen Disziplinen (Komposition, Partitur, Zeichnung. Literarisches Werk, Schüttung und Druckgrafik) im Gesamtkonzept auf. Seine graphischen Sujets sind geprägt von der subterranen Theaterarchitektur des o.m.theaters. Sein Lebensmittelpunkt Schloss Prinzendorf gilt hier als realer Ausgangspunkt für seine Überlegungen und fantastischen Ideen. Besonders eindrucksvoll kommt dies bei den sogenannten Fred Jahn-Grafiken, die von 1984 bis 1991 entstanden sind, zur Geltung. Von diesen Grafiken sind einzelne Blätter aus den thematisch divergierenden vier Mappen Teil der Ausstellung. Die Sujets erstrecken sich von Architekturzeichnungen bis hin zur Darstellung des menschlichen Körpers und einzelnen Bereichen wie Kopf oder Torso. Dabei wird Hermann Nitsch`s Vorliebe für unterschiedliche Drucktechniken, wie beispielsweise Lithographie und Radierung, die er gemeinsam kombiniert, luzid.

Günter Brus Interesse gilt primär der Kaltnadelradierung. Mit intensivem körperlichem Einsatz bearbeitet er in einem Akt der Metallverletzung die Platte. Seit den 1980er Jahren arbeitet er mit dem Drucker Kurt Zein zusammen. Seine Grafiken sind größtenteils von schwarz, braun und sepia-Tönen geprägt. Thematisch kreisen sie zu Beginn um Verletzungsthemen und gehen mit der Zeit zunehmend in märchen- und traumhafte Inhalte über. Die Arbeiten von Günter Brus loten verschiedene menschliche Stimmungen aus: Der Bogen spannt sich von zutiefst bedrohlich-existentiellen Blättern bis hin zu heiteren Arbeiten. Begleitet werden die Bilder durch seine literarischen Texte.

Ab 1991 beginnt auch die Zusammenarbeit zwischen Hermann Nitsch und Kurt Zein. Das Grafikkonvolut ist geprägt von aktionistischer Untergrundmalerei mit darauf gedruckter Strichnadelradierung. Die Unikatgrafik – jedes Blatt ein Einzelstück – entsteht. Einige Arbeiten dieser Ära, die mit der über 20-jährige Zusammenarbeit mit der Galerie 422 und Hermann Nitsch verbunden ist, sind Teil der Ausstellung. Besonderer Fokus wird auf einer seiner letzten Editionen liegen, die für die Galerie 422 im Jahr 2021 entstand und erstmals in Summe im Ausstellungskontext zu sehen sein wird. Zudem wird die 1983 und kurz vor seinem Tod neu aufgelegte Version von „Letzten Abendmahl“ in der Schau gezeigt.

Die Ausstellung zeigt druckgrafische Schlüsselwerke, verdeutlicht die errungenen Innovationen, technischen Vorlieben und macht in ihrer Gegenüberstellung die besondere Leistung des Einzelnen bewusst – Kulturgenuss auf höchstem Niveau ist garantiert!